Nacken- Hinterkopfschmerzen, Schwindelanfälle - wirbelsäulenbedingt?

Immer wieder Schmerzen im Nacken-, Hinterkopfbereich zu spüren, Angst haben zu müssen den Kopf zu drehen, um nicht  neue Schmerzen auszulösen und dazu noch  Schwindelanfälle, da wird die Lebensqualität schon sehr eingeschränkt.  Früher waren es zumeist Menschen  die von berufswegen  Überkopfarbeiten ausführen müssen, hinzu  kamen Extremsportler wie Bergsteiger oder Segler. Heute klagen viele Menschen über solche Beschwerden und es stellt sich  die Frage: Wieso ist das so?

Während es früher meist ältere  Menschen betraf, die jahrelang  einer hohen Belastung ausgesetzt waren,  betrifft es jetzt auch viele junge Menschen.  Richtig ist, dass  eine erhöhte Belastung der Wirbelsäule  dafür angeschuldigt werden muss.   Der Denker von Rodin (Abb.1)  zeigt das Wirbelsäulenproblem unserer Zeit und ist doch aus einer ganz anderen. Was  Rodin genau sagen wollte, wird uns wohl ewig verborgen bleiben.  Bewundert der Betrachter  einen wohlgeformten Körper, der  auch bei   der Lösung geistiger Probleme  nicht vernachlässigt werden sollte oder wollte  uns  Rodin noch viel mehr sagen?

Abb. 1: Der Denker von Rodin

Kopf gebeugt und durch die Hand abstützt

Abb. 2: Der Denker unserer Zeit

Kopf vorgeschoben und ohne Abstützung, Arme in Arbeitsposition

und ständige Bewegung, unruhige Nackenpartie

Wie ist das heute? Die Unterschiede in der Kopfhaltung sind in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt. Wir nehmen eine andere Haltung beim Denken ein. Eine Haltung, die in körperlicher und geistiger Hinsicht eine Veränderung erfahren hat ( Abb.2). Der Kopf wird in eine vorgeschobene Position gebracht. Die Hände, die wir dringend für eine Abstützung des Kopfes einsetzten müssten, benötigen wir für die Bedienung des Keyboards und der Maus. Vielleicht will uns Rodin darauf aufmerksam machen, dass wir bei der geistigen Arbeit unsere körperliche Belastbarkeit nicht außer Acht lassen dürfen, auf das unsere Fähigkeit zu Denken nicht eingeschränkt wird? Sein Weitblick ist zu bewundern, denn die täglich sich wiederholenden Fehlstellungen unserer Halswirbelsäule sind auf Grund der Dauer der Zwangshaltung schon lange kein rein körperliches Problem mehr, sondern beeinflussen die Hirndurchblutung und damit auch unsere geistige Leistungsfähigkeit.

Die heutige Zeit ist geprägt durch die vermehrte Belastung von Hals- und Brustwirbelsäule infolge der Arbeit am Bildschirm. Die Stellung des Kopfes richtet sich dabei nach der Einstellung des Bildschirmes. Der Kopf wird im Sinne der Beobachterhaltung vorgeschoben. Bei dieser Stellung kommt es nicht nur zu einer erheblichen Belastung der Muskulatur und der Gelenke, sondern auch zu einer Störung der Hirndurchblutung. Die Unterschiede zwischen einer normalen Kopfhaltung und einer vorgeschobenen Kopfhaltung sind in den Abbildungen 3a und 3b dargestellt. Man kann erkennen, dass allein durch die Veränderung der Kopfhaltung eine Veränderung des Verlaufes eines Blutgefäßes (Vertebralarterie) erfolgt, welches das Gehirn mit Blut versorgt. Während das Blutgefäß bei normaler Kopfhaltung eine Dehnungsschleife (Atlasbogenschleife) aufweist (3a) ist diese bei vorgeschobener Kopfhaltung aufgezogen (3b), sodass das Blutgefäß um etwa 2 cm verlängert wird und es so zu keiner Überdehnung des Blutgefäßes kommen kann.

a. Bei aufrechter Kopfhaltung

Atlasbogenschleife regelrecht

b. Bei vorgeschobener Kopfhaltung

Atlasschleife aufgezogen, Blutzirkulation verringert

Abb. 3. Blutzirkulation der Vertebralarterie in Abhängigkeit von der Haltung

 

Damit geht jedoch ein Teil der Reserve, die uns die vielen Möglichkeiten der Bewegung von Kopf und Hals erlaubt, ohne dass dabei Störungen der Blutversorgung des Gehirns auftreten, verloren. Durch die vorgeschobene Kopfhaltung ist somit der Bewegungsumfang erheblich eingeschränkt.

Was wird durch die vorgeschobener Kopfhaltung verursacht?

Erfolgt die vorgeschobene Kopfhaltung als quasi Dauerbelastung, so birgt sie eine Reihe Risikofaktoren in sich. Es kommt zur Überlastung der oberen Halswirbelsäule mit vorzeitigem Verschleiß von Wirbelgelenken, Kompression von Nervenwurzeln, Schmerzen infolge muskulärer Überlastungen der Halswirbelsäulen- und Brustwirbelsäulenmuskulatur sowie der Nackenmuskulatur. Die eigentliche Gefahr aber geht von einer Störung der Hirndurchblutung aus. Die Streckung des Kopfes wird auf das Blutgefäß übertragen und führt zu einer Veränderung des Blutflusses zum Gehirn (Abb. 4). Wird in dieser Position noch eine Kopfbewegung vorgenommen wie Drehung oder Abkippen des Kopfes, so kann eine Einengung der hirnzuführenden Blutgefäße verursacht werden. In wieweit das zu einer funktionellen Hirnstörung führt hängt davon ab, ob die Schädigung durch ergänzende, individuell sehr unterschiedlich ausgebildete Kollateralgefäße, ausgeglichen werden kann.

Arterien an der konvexen Hirnfläche nach Clara

Zur besseren Darstellung der Blutgefäße wurde ein Teil des Schläfenlappens nicht dargestellt

Abb. 4 Blutzirkulation der Vertebralarterien im Kleinhirnbereich

 

Zum besseren Verständnis der Problematik der  haltungsbedingten  Hirndurchblutungsstörungen zeigen  wir die   Abhängigkeit  des Verlaufes  des Blutgefäßes   von der Stellung der Halswirbelsäule auf.   Die  zum Gehirn führende  Arterie des Halswirbelsäulenbereiches (Arteria vertebralis) verläuft durch einen mit den Wirbeln  fest verbundenen  Knochenkanal (Abb.2)  Der Kanal setzt sich aus Teilabschnitten  jedes  Wirbels zusammen. Die  Beweglichkeit dieser  Abschnitte zueinander  bleibt erhalten und folgt der Beweglichkeit der einzelnen Wirbel.     Man kann das in den Abbildungen 2 u. 3 erkennen.   Die im Kanal verlaufende Arterie folgt also  jeder Haltungsveränderung  der Halswirbelsäule.   An  der Oberkante des  2. Halswirbels  verlässt die Arterie  den Kanal, bildet außerhalb einen Bogen und  setzt dann ihren Verlauf  im Kanalabschnitt des ersten Halswirbels  fort. Nachdem sie den passiert hat bildet sie einen zweiten Bogen  an der Schädelbasis und durchdringt  dann das Hinterhauptsloch   in Richtung des Kleinhirns.  Die beiden Bogenabschnitte werden als Atlasbogenschleife bezeichnet  Bei größeren  Bewegungsaus-schlägen  wird der Bogen   aufgezogen und  schützt  so die Arterie vor einer Überdehnung  (Abb. 3a) und trägt  dazu bei eine  ausreichende Blutzirkulation zum Gehirn zu sichern.  Bei  vorgeschobener Kopfhaltung erfolgt  eine solche Überstreckung in der oberen Halswirbelsäule mit  Verringerung der Blutzirkulation  der  Vertebralarterie( Abb.3b ).  Der Mechanismus,  der das auslöst, wird in Abbildung 5 dargestellt.
Die Arterie muss unmittelbar vor dem  Eintritt  in den Kopf ein durch 3 Muskeln begrenztes Dreieck passieren (Vertebralisdreieck).  Es ist hauptsächlich  ein Muskel (M. rectus capitis posterior minor),  durch den das Blutgefäß gestreckt  und  eingeengt wird.  Um den Kopf drehen zu können   müssen die beiden anderen  Muskeln des Dreiecks   (M. rectus capitis  major und  M. obliquus capitis) mit  eingesetzt werden. Bei deren Kontraktion kommt es zu einer Zunahme des Umfangs  der Muskeln und damit zu einer weiteren Einengung  des Vertebralisdreiecks  (Syndrom des engen Vertebralisdreiecks).  Auf der Abbildung 5  ist  ein enges Vertebralisdreieck im Vergleich  zu einem  normal großen dargestellt.

Darstellung des Vertebralisdreiecks

Abb. 5 Kurze tiefe Nackenmuskulatur

Wird der Kopf in  vorgeschobener  Kopfhaltung  zusätzlich  verdreht   so  kommt es zu einer  Einschränkung der Blutzirkulation  zum Gehirn.  Auf Grund einer Vielzahl an Kompensationsmechanismen bleibt   das ohne Folgen. Probleme kann es beim Bestehen  von Vorschäden geben.
Wie kommt es zu Vorschäden?  Da sind wir wieder bei den Wirbelsäulenproblemen der heutigen Zeit - schlechte Nackenmuskulatur und zu wenig Sport, um die Muskulatur aufzubauen.  Die ständige  Überlastung  der Muskulatur führt zu einer Fehlhaltung, sodass  Dauerschäden der Muskulatur und der Wirbelgelenke zu erwarten sind.

a. Ausgangsposition

Streckung und Drehung

 

b. unruhige Einstellposition

bei Überlastung der

Einstellmuskulatur

c. Schädigung der Wirbel-

bogengelenke

 

Abb.6 Vorgeschobene Kopfhaltung über einen längeren Zeitraum

 

Die Gefahr von Hirndurchblutungsstörungen wächst, da sich daraus  weitere Verengungen des Blutgefäßes  entwickeln können.  Das ist beim Auftreten von Arthrosen der Wirbelgelenke der Fall. Nun wissen Sie, dass das Wort Arthrose  etwas mit altersbedingten  Veränderungen zu tun hat. Das ist nicht ganz  richtig, abnutzungsbedingte  Veränderungen wäre besser.

Abb. 7 Einengung der Vertebralarterie durch Arthrose des Bogengelenkes C2/3

Damit ist  auch klar, dass  auch   jüngere Menschen  solche Veränderungen bekommen können, wenn die Wirbelgelenke  einer zu  hohen Belastungen ausgesetzt sind. Wir sehen zunehmend  Arthrosen bei 40-jährigen Patienten, die wir früher 60-70-jährigen Patienten zugeordnet hätten.

Betrachten wir dazu die Bedingungen am Bildschirm. Stundenlang  sitzen wir davor. Wir gehen von der Arbeit nachhause  und sitzen wieder davor. Der Bildschirm gehört heute zu unserem Leben.  Haben wir damit Probleme? Die Anfangssorgen haben  wir längst vergessen und vertrauen darauf, dass sich unser Organismus  an alles gewöhnt.  Obwohl wir schon nach 20 Minuten  Tätigkeit  am Bildschirm  merken, dass  unser  Kopf langsam absinkt, da die Kraft unserer Muskulatur nicht ausreicht um den Kopf in der vorgestreckten  Position  über einen längeren Zeitraum zu halten.  Um den Bildschirm weiterhin  gut im Blickfeld zu haben sind wir gezwungen, die Streckstellung der Halswirbelsäule laufend zu korrigieren.  Wir führen dazu  eine Vielzahl kleinster Einstellbewegungen (Rotationbewegungen)  mit dem Kopf aus (Abb. 6). Wir machen das schon  unbewusst während  unser Blick auf  den  Bildschirm  gerichtet bleibt.   Die Belastbarkeit  der Halswirbelsäulenmuskulatur und der oberen Brustwirbelsäulenmuskulatur lässt mit der Zeit  erheblich nach und es treten die ersten  Schmerzen auf. Bei weiterer Belastung kommt  es anfangs zu  Überlastungsschäden in der Muskulatur, später auch der Wirbelgelenke.  Denn, die   vielen kleinen Einstellbewegungen, die wir ständig zur Korrektur der vorgeschobenen Kopfhaltung   vornehmen müssen laufen  über die  Wirbelbogengelenke   und   führen zu einem erheblichen Verschleiß und zu vorzeitigen  arthrotischen Veränderung.  Das Gelenk  wird dabei größer und bei der räumlichen Nähe zur Vertebralarterie   besteht die   Gefahr  einer Verengung der Blutstrombahn (Abb.7).
Durch die Vergrößerung  der Wirbelbogengelenke kommt es  aber auch  zu einer  Einklemmung von Nervenästen (Ramus dorsalis), die in unmittelbarer Nähe des Gelenkes verlaufen. Durch die Einklemmung wird eine schmerzhafte  Muskelverspannung  mehrerer  Muskeln  ausgelöst  und dadurch die Fehlhaltung der Halswirbelsäule fixiert. Auch die  Schmerzen im Hinterkopfbereich werden so ausgelöst. Nach unseren Erfahrungen nimmt  die  Arthrose  des  Wirbelgelenkes C2/3 eine Schlüsselstellung ein, da über dieses Gelenk die meisten Einstellbewegungen laufen (Abb. 6b) Da  sich   seitlich am 3. Halswirbel  die Ursprungszacken der Wirbelsäulenhaltemuskulatur (M. splenius cervici, Mm. multifidi und  Mm.rotatores ) befinden erfolgt in diesem Bereich auch die größte muskuläre Verspannung.  Bei einer  seitendifferenten  Arthrose   wird durch die   Kontraktion der obengenannten Muskeln  einer Rotationsstellung   des Wirbels verursacht.  Wenn wir   jetzt  zusätzlich  noch eine Drehung des Kopfes  in entgegengesetzte  Richtung ausführen, so kommt es  infolge des Aufeinandertreffens von  innerer und äußeren Rotation  zu einer Torquierung der Vertebralarterie mit  Einschränkung der Blutzufuhr.  Die  Behandlung der Arthrosen der  Wirbelbogengelenke des oberen Halswirbelsäulenbereiches  sollte   eine unbedingte  Notwendigkeit darstellen, da durch die Arthrosen die Blutzirkulation des Gehirns beeinträchtigt werden kann.  Außerdem erfolgt   eine   Einklemmung von Nervenästen, die eine schmerzhafte Dauerkontraktion   in Nackenmuskulatur   und Hinterkopfmuskulatur verursachen.

 

Was für Folgen hat die  Störung des Blutzirkulation   der Vertebralarterie

Die Vertebralarterien verlaufen zu beiden Seiten der Halswirbelsäule in einem speziellen  Wirbelkanalkanal und vereinigen sich im Bereich der Schädelbasis zur Basilarisarterie. Es besteht auch funktionell zwischen beiden Vertebralarterien ein Zusammenspiel. Sie sind aber  meist unterschiedlich groß, sodass bei einer Störung der Blutzirkulation  nur ein unvollständiger Ausgleich durch die Gegenseite erfolgen kann. Es bestehen jedoch außerdem Kollateralarterien,  durch die eine Kompensation erfolgen könnte. Dauer  und Intensivität der Hirndurchblutungsstörung spielen eine entscheidende Rolle für das Auftreten von funktionellen Hirnstörungen.
Wir haben es  aber unter den heutigen Lebensbedingungen  nicht  mit einer sporadischen Einschränkung der Blutzufuhr, sondern  mit einer fast  permanenten zu tun,  die sich täglich wiederholt und sich nur in  Größe und Dauer  unterscheidet. Das ist eine  für eine Kompensation ungünstige Situation. So variieren  auch die Zeitabstände des Auftreten von  Symptomen der Hirndurchblutungsstörung.  Die in immer kürzeren Zeitabständen auftretenden Symptome  weisen auf einen drohenden Schlaganfall hin (Greten, Innere Medizin 2005). Unsere große Chance besteht darin, dass sich die Symptome bei rechtzeitiger Behandlung  zurückbilden.
Um was für Symptome handelt es sich? Da die Arterie mit ihren Ästen mehrere Hirnbereiche versorgt       (Abb. 4) sind es in Abhängigkeit von der Größe der Schädigung und der individuellen Gefäßsituation auch unterschiedliche Symptome. Neben Schwindel und Seh- und Hörstörungen werden immer häufiger kurzzeitige Gedächtnislücken  und eine Merkschwäche  von vielen Patienten angegeben.  In den letzten Jahren weisen  zunehmend mehr Wissenschaftler daraufhin, dass unser Kurzzeitgedächtnis beeinflusst zu sein scheint (Sanes, Hallner 1990).   Mumenthaler  wies schon 1973 daraufhin, dass bei vertebrobasilären  Zirkulationsstörungen kurzzeitig ein Gedächtnisverlust  auftreten kann, wobei die Leistungsfähigkeit für durchschnittliche Aufgaben nur wenig eingeschränkt ist. Die Merkfähigkeit für neue Informationen jedoch für Stunden oder sogar einen ganzen Tag erheblich eingeschränkt sein kann.
Mumenthaler beobachtete, dass diese Patienten  einen in sich gekehrten Eindruck machen. Wir können das bestätigen. Nicht selten sehen wir nach der Behandlung von  Patienten mit Schwindel und Nackenschmerzen, dass sie einen frischeren Eindruck machen und   spontan sagen: „Ich fühle mich viel besser  und ich kann mir jetzt auch wieder viel mehr  merken.“  Haßler  (persönliche Mitteilung) berichtete mehrfach über Patienten, die neben den Symptomen  einer Hirndurchblutungsstörung,  auch  artikulatorische Sprachstörungen aufwiesen. Auch einige unserer Patienten wiesen solche Störungen auf.  Wir waren anfangs  skeptisch, ob man diese  Sprachstörungen als durchblutungsbedingte  Störung der Vertebralarterie einordnen kann. Da sich diese Störungen  jedoch bereits  wenige Tage nach der mikroinvasiven Wirbelsäulenoperation  zusammen mit den anderen Symptomen zurückbildeten, scheint die Ursache in der Zirkulationsstörung der Vertebralarterien naheliegend.

Was müssen Sie dringlich  beachten

Treten  immer wieder Schmerzen im Nacken-, Hinterkopfbereich  im Zusammenhang mit Schwindel oder Sehstörungen  auf, dann sollte man diese  unbedingt ernst  nehmen. Denn  Störungen  im Übergangsbereich  Kopf-, Halswirbelsäule haben nicht nur Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule  und Bewegungseinschränkungen zur  Folge, sondern können auch zu  Hirndurchblutungsstörungen  führen.  Symptome wie Schwindel,  Hörstörungen und  Sehstörungen weisen auf eine solche Störung hin. Wird von den entsprechenden medizinischen Spezialeinrichtungen keine Ursache für diese Symptome gefunden so muss daran gedacht werden, dass diese Art von Durchblutungsstörungen auch bei bestimmten Herzbeschwerden auftreten kann. Es geht dabei  nicht nur um die   Behandlung des schmerzenden Nackenbereiches. Es geht um die Abklärung einer durch die abnorme  Fehlhaltung des Kopfes ausgelöste  Reduzierung der Blutzirkulation  der Vertebralarterien und damit  um die Störung der Hirndurchblutung, die zum Auftreten dieser  Symptome führt.   An erster Stelle geht es um Schwindel, der sich bei  Drehung des Kopfes verstärkt, um kurzzeitig auftretende Sehstörungen und um Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Wir neigen heutzutage dazu, den uns belästigenden  Schmerz schnell mal mit  einer Tablette zu behandeln und versuchen  die anderen Symptome zu bagatellisieren. Doch  durch Schmerzmittel wird lediglich der Muskelschmerz und damit  das Alarmzeichen beseitigt, nicht aber die Zwangssituation der Vertebralarterie und damit die Störung der Hirndurchblutung.  Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und eine immer häufiger auftretende Merkschwäche  beunruhigen zwar sehr, dass diese Störungen im   Zusammenhang mit einer Schädigung  der Halswirbelsäule stehen könnten, ist jedoch nur  Wenigen   bekannt. Die Symptome  sind ebenfalls  Zeichen für  eine Hirnschädigung,  gelten wie diese  als Vorboten eines drohenden Schlaganfalls.  Vielleicht haben Sie von dem starken Anstieg  der  Schlaganfallsrate gehört. Kurzzeitig hat Sie ein  Gefühl der Angst beschlichen.  Da es Sie jedoch scheinbar nicht betrifft, haben Sie es schnell wieder verdrängt. Betrifft es Sie wirklich nicht?  Waren es noch vor 10 Jahren meist ältere Personen, die davon betroffen waren, sind es jetzt mehr und mehr auch Personen der mittleren Altersgruppe.  Der Schlaganfall ist die häufigste Invaliditätsursache (Greten - Innere Medizin 2005). Der Anteil der  Schäden die von  Vertebralisprozessen  ausgeht wächst mehr und mehr.  Verunsicherung ist fehl am Platz nicht aber die rechtzeitige Behandlung  ihrer Halswirbelsäulenschädigung durch einen Wirbelsäulenspezialisten. Einen Schlaganfall zu heilen ist  äußert problematisch. Die Hinweiszeichen erst zu nehmen, kann Sie vor solchen Problemen bewahren.

Abb.8 Körperhaltung bei extremen Nacken- bzw. Hinterkopfschmerzen

Für das Demonstrieren von Stärke bei extremen Nackenschmerzen und Schwindel  zahlen  wir mit einer Störung der Hirndurchblutung. Durch das Hochziehen der Schulter werden die Schmerzen in der Wirbelsäule geringer,  die Störung der Hirndurchblutung   wird jedoch  verstärkt (siehe Blutverteilung  zwischen  linker  und rechter Vertebralarterie)
Leider behalten wir die Fehlhaltung, die wir während der Arbeit einnehmen mit der Zeit auch außerhalb der Arbeitszeit bei, wobei die schmerzhafte Muskulatur eine wesentliche Ursache ist, denn die Änderung der Stellung der Wirbelsäule ist  jetzt mit Schmerzen verbunden. Dieser Zustand  führt  häufig zu einer Blockierung, die Sie  mal so schnell gelöst haben wollen.  Die Deblockierung der schmerzenden Wirbelsäule ist jedoch in diesem Fall  nur  als Notbehandlung anzusehen  und nicht als Therapie geeignet. Nach dem Abklingen der akuten Symptomatik ist unbedingt eine Wirbelsäulendiagnostik  erforderlich.
Wie  ist die Muskulatur der Halswirbelsäule aufgebaut?
Für das Verständnis  der Beschwerden im Nacken-, Hinterkopfbereich  ist die genaue Kenntnis des muskulären Systems unabdingbar. Nur so kann man die Komplexität der Beschwerden verstehen und behandeln.
Die Muskulatur des Nackenbereiches wird anatomisch in 4 Schichten unterteilt (Takebe.K., Vitti M., Basmajian JV 1974). Funktionell muss  man zwei Gruppen unterscheiden  (Travell J. Simon, D. Handbuch der Muskel-Triggerpunkte 2002).
Durch die obere  Muskelgruppe wird  die Kopfbewegung gesteuert, während die tiefe Muskelgruppe  der Beweglichkeit und Stabilisierung der Halswirbelsäule dient. Ein Muskel  nimmt dabei eine dominierende Rolle ein, der M. splenius cervici. Er gehört zur tiefen Muskelgruppe und vereint doch beide. Er verbindet die obere Halswirbelsäule mit der oberen Brustwirbelsäule. In der Abbildung 9.1 haben wir seinen Verlauf nachgezeichnet. Er  umhüllt in seinem Verlauf die tiefe  Halswirbelsäulenmuskulatur  (M.rotatores und multifidi) und gibt ihnen zusätzlichen Halt. Über den zweiten  Halswirbel  steht er in Verbindung mit der tiefen kurzen Nackenmuskulatur (Abb. 9-1-2) die wir für  die Steuerung der  kleinen   Kopfbewegungen (Einstellbewegungen)  benötigen. Verstärkt wird diese Muskelgruppe  durch die  obere  Muskelgruppe (M. semispinalis capitis und M. splenius capits), die direkt über den  kurzen, tiefen  Nackenmuskeln  am Kopf ansetzen (Abb. 9 1-2-3) und  zusammen mit  zwei weiter außen ansetzenden   Muskeln                       (M. trapezius und M. longissimus capitis)  für die großen  Kopfbewegung sorgen. Bei der Betrachtung der Funktionsbreite   der  Muskulatur wird ersichtlich, dass die Behandlung  von Problemen der oberen  Halswirbelsäule und  die Behandlung der oberen  Brustwirbelsäule eine Einheit bilden (Abb.8 1-2-3) und nicht losgelöst voneinander erfolgen sollte. Die Muskulatur ist mit einer Vielzahl an Muskelzacken in der  knöchernen Wirbelsäule verankert, denen für die Behandlung des Krankheitsgeschehens eine besondere Bedeutung zukommt. Der Kulminationspunkt des Geschehens liegt bei dem Segment  C2/3. Der Nervenast (Ramus dorsalis) von  C2 verursacht die Schmerzen im Hinterkopfbereich und löst gleichzeitig die Aktivität  des M. splenius capitis aus (Clara 1959). Der Muskel gehört zu der oberen  Muskelgruppe     (M. semispinalis . M. trapezius M. longissimus capitis), die am Hinterkopf ansetzen und die großen  Bewegungen des Kopfes steuern. Der Nervenast C2 steuert auch die Muskeln für die kleinen Kopfbewegungen. Gleichzeitig ist er  beteiligt an der Steuerung des Muskulus splenius cervici, der die Muskelaktivitäten vereint und Halswirbelsäule mit der Brustwirbelsäule verbindet.  Die Muskeln der Halswirbelsäule  sind ineinander gefugt und ermöglichen sowohl Einzelaktionen als auch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel.  Es ist eine Stabilisierung  in sich, sodass je nach Erfordernis  Bewegung  oder Stabilisierung des  Systems dominieren..
Über kleine  Muskelzacken, die an jedem Wirbel verankert sind  wird das Bewegungsspiel harmonisiert. Über die muskulären Verankerungspunkte des  zweiten Halswirbels  werden die  Bewegung des  Kopfes  und der Halswirbelsäule angeglichen. Muskeln und Gelenke beeinflussen wechselseitig die  Funktion. Das Gelenk C2/3 mit dem dargelegten muskulären System bildet den  oberen Punkt  und das Gelenk  Th3/4  den  Basispunkt für die  Steuerung und  Stabilisierung der Halswirbelsäule und   des Kopfes. Über den oberen Punkt  wird auch die verstärkende  Muskulatur für die Kopfbewegung (Trapeziusmuskulatur und Longissimusmuskulatur) geführt.

Diese fundamentalen Bedingungen bilden die äußeren Eckpunkte der Behandlung und stehen in Wechselwirkung  zu der tiefen  Muskulatur  der  einzelnen Wirbelsegmente des oberen Halswirbelsäulenbereiches. Ausgehend vom zentralen Steuerungspunkt C2 werden die muskulären Einstellungen unterhalb und oberhalb davon (kopfwärts) aufeinander abgestimmt.
Das Abfangen auch großer  Belastungen  ist durch eine gut  funktionierende Muskulatur möglich.

Muskuläre Reaktionen

Die  Muskulatur  des oberen Halswirbelsäulenbereiches und des oberen Brustwirbelsäulenbereiches sind bei der vorgeschobenen Kopfhaltung  einer erhöhten  Belastung ausgesetzt.  Neben  Schmerzen infolge der  Dauerverspannung kann es  zu krankhaften muskulären Veränderungen kommen, die das Krankheitsbild  bestimmen. So liegt neben den haltungsbedingten Störungen der Blutzirkulation noch eine muskulär bedingte vor. Bedingt ist letztere neben der ständigen  Überlastung der Muskulatur auch durch Störung der nervalen Fehlsteuerung  der Muskeln  im Rahmen einer Wirbelgelenkarthrose. Es gibt bestimmte Prädelektionsstellen an denen sich  die muskulären Veränderungen niederschlagen. Infolge wird aus  der haltungsbedingten Einengung  der Vertebralarterie  eine fixierte Einengung  Durch  diese Veränderungen kommt die  Vertebralarterie in  eine Engpass-Situation.
Die Schmerzen in der Muskulatur verlagern sich in Abhängigkeit von der Körperhaltung und der Bewegung. Das Wandern der Beschwerden  ist  somit kein Zeichen der Besserung.

1 M. splenius cervici (rot)

 

 

1-2 Tiefe Nackenmuskulatur

(rotbraun)

 

1-2-3 M. splenius capitis

(dunkelrot) mit M. semispinalis

capitis (blassrot)

Abb. 9 Muskuläre Verspannung der Halswirbelsäule

Auch durch die Verlagerung der Beschwerden  in den oberen Brustwirbelsäulenbereich kann nur kurzfristig eine Besserung erreicht werden.  Eine sich einstellende   Blockierung  kann  den schweren Befund   verschleiern. Das  darf jedoch  nicht dazu verleiten nur eine  Schmerzbehandlung vornehmen zu lassen  und obwohl  es auch immer wieder zu  Schwindelattacken kommt,  es bei der Schmerzbehandlung zu belassen. Beim Vorliegen auch  nur eines Symptoms für eine Hirndurchblutungsstörung ist unbedingt ein Wirbelsäulenspezialist  hinzuzuziehen

Zur Behandlung

Beim Auftreten von Nackenschmerzen ist eine   physiotherapeutische Behandlung mit entsprechender Wärmeapplikation die Methode der Wahl.  Durch Massagen und Akupunktur sind auch schwere Muskelstörungen zu erreichen. Das Lösen von Blockierungen  sollte nicht als Dauerbehandlung erfolgen, da es sich beim wiederholten Auftreten dieser Beschwerden offensichtlich um  eine  schwerere  Halswirbelsäulenstörung handelt, die  weiter untersucht und gezielt behandelt  werden muss. Beim  häufigen Lösen von Blockierungen kommt es zu Erweiterung der Gelenkkapseln und damit wird weiteren   Blockierungen Vorschub geleistet.  Das Lösen von Blockierungen kann  in der Hand des Erfahrenen eine segensreiche Maßnahme sein.    Ich vermeide das Wort Behandlung, denn die eigentliche Behandlung hat Störungen der Funktion der Halswirbelsäule   als Einheit zu erfassen. Es gilt der seitlangem bekannte  Satz:“ Das Wichtigste beim Deblockieren ist zu wissen, wann man sie  nicht vornehmen darf „Vorherige  muskelentspannende Maßnahmen sind stets erforderlich.

Gibt der Patient neben Nacken-, Hinterkopfschmerzen  und Bewegungseinschränkung des Kopfes auch  Schwindel, Seh- oder Hörstörungen an, so besteht eine völlig andere Behandlungssituation. Wenn von den entsprechenden Fachdisziplinen keine Befunde   für die letztgenannten Symptome  erhoben werden können, so liegt der Verdacht einer Hirndurchblutungsstörung auf der Basis einer Vertebralisstörung  nahe. Ein  Wirbelsäulenspezialist sollte die weitere Diagnostik und Behandlung übernehmen.
Bei  der  erheblichen Zunahme von Schlaganfällen und  der parallel dazu verlaufenden Zunahme  von  Halswirbelschäden keimt die Diskussion über den Wert  der Deblockierung   wieder auf. Es ist sicher ein Alarmzeichen,  wenn  Schlaganfälle seit einigen Jahren  in der Invaliditätsstatistik  an erster Stelle stehen. Trotzdem scheint es  verfehlt die Steigerung der Schlaganfallsrate  der Deblockierungsbehandlung  anzulasten, denn es gibt sehr viele erfahrene Behandler, die viel Gutes leisten.  Vielmehr sollte man die Steigerung  in der extremen  Zunahme von Patienten mit Halswirbelsäulenschäden   insgesamt sehen.  Die   Bagatellisierung der  Beschwerden  und  die alleinige Schmerzbehandlung  scheint hier eine   viel größere Rolle zu spielen. Das Motto vieler Patienten - die paar Beschwerden bekomme ich schon mit Schmerzmitteln in den Griff,  lässt sie nicht  ahnen, dass  der  Nacken-, Hinterkopfschmerz  bei  gleichzeitigem  Auftreten  von Schwindel als Alarmzeichen einer  Hirndurchblutungsstörung  zu werten  ist. Man darf   keine Zeit  vergeuden, sondern muss sofort mit Diagnostik und Behandlung beginnen,  denn  die in immer  kürzeren Zeitabständen auftretenden  Attacken weisen auf einen drohenden  Schlaganfall hin (Greten Innere Medizin 2005).
Die Diagnose wird klinisch gestellt  und durch  MRT-Aufnahme gesichert. Es finden sich   seitendifferente  Facettengelenkarthrosen und eine Rotationsstellung  von C2/3 sowie muskuläre Dysbalancen der Belastungszonen.
Bei einem solchen Befund helfen  auch eine Facetteninjektion oder eine Facettenblockade nur kurzzeitig weiter, da sie zwar eine Schmerzreduzierung  erbringen können, nicht aber die Zwangshaltung der oberen Halswirbelsäule aufzulösen vermögen.  Diese ist  nur durch eine gezielte  Behandlung der Wirbelsäule und der beteiligten Muskelgruppen zu erreichen.   Die Wirbelsäulenschäden  sind  nicht infolge einer Erkrankung sondern infolge einer muskulären Fehlbelastung entstanden. Die Facettenarthrosen  sind  Folge  dieser Fehlbelastungen und  tragen  zur Verstärkung   der  Störungen bei. Der Nervenast, der die Gelenke umgibt ( Ramus dorsalis ) wird eingeklemmt und schießt  vermehrte Impulse in die schon angespannte  Muskulatur.  Die  Vergrößerung der Wirbelbogengelenke  und die extreme Verspannung der Muskulatur, besonders aber die  Verspannung der Muskelzacken, die den Bereich der Arterie überspannen, führen zur Einengung der Strombahn der A.vertebralis.

Mikroinvasiver Eingriff

Präambel
Die aufgezeigten Symptome  einer Hirnfunktionsstörung sind bei rechtzeitiger Behandlung rückbildungsfähig. Sie sind Folge von  Durchblutungsstörungen der Vertebralarterien und  wurden  durch Halswirbelsäulenschäden  ausgelöst. Sie können somit   auch durch  einen Eingriff an der Halswirbelsäule mit  Beseitigung dieser Schäden behandelt  und   zur  Rückbildung gebracht werden.

Es handelt sich um einen mikroinvasiven Eingriff, der unter Sicht eines Fluoroskopes ausgeführt wird. In der Hand des Spezialisten ist es ein risikoarmer Eingriff von hoher Präzision. Eine leichte intravenöse Narkose garantiert die Schmerzfreiheit. Ein Schnitt ist nicht erforderlich, da mit  nichttraumatisierenden Memoryverfahren gearbeitet wird.
Es handelt sich um einen  komplexen  Eingriff  der mehrere Aufgaben zu erfüllen hat:

1. Sicherung der Hirndurchblutung durch  Wiederherstellung der Strömungsverhältnisse der Vertebralisarterie durch  das Beheben der Engpasssituation  Spleniuszwinge, enges Vertebralisdreick, enge Semispinalisloge
2. Behandlung der Wirbelbogengelenksstörungen in HWS- und BWS- Bereich mit Neurolyse  der eingeklemmten Nervenäste.
3.  Entfernung der muskulären Störungen   der oberen Halswirbelsäule und des Nackenbereiches mit dem Ziel  Schmerzfreiheit bei großem Bewegungsumfang
4. Entfernung der schmerzauslösenden muskulären Störungen  des oberen  Brustwirbelsäulenbereiches zur Stützung des Halswirbelsäulenbereiches.

Nachbehandlung

Bereits am nächsten Tag sollten Sie leichte Bewegungsübungen ausführen um erneuten muskulären Verwachsungen vorzubeugen. Eine Akupunkturbehandlung kann den Regenerationsprozess beschleunigen. Nach 5 Tagen sind Sie wieder voll belastungsfähig und können auch wieder Sport treiben.
Eine Woche nach dem Eingriff wäre es wünschenswert, wenn   Sie   eine Haltungsschulung und ein  spezifisches  Muskeltraining vornehmen würden.

 
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